Behandlungen

Kräutermärchen


Buch mit Kräutermärchenvon Folke Tegetthoff.
Nymphenburger Verlag, München,
2008, 14. Auflage.
155 Seiten, 5,95 Euro.



Wer sich für Märchen und auch Heilkräuter begeistert, findet in diesem Buch des Österreichischen Autors und Erzählers Folke Tegetthoff beides: 18 unterhaltsame und fantasievolle Geschichten und auch auch Lehrreiches zum Thema Heilkräuter. Ein Büchlein zum Schmökern, zum Entspannen und zum Vorlesen, alles gesund aufbereitet, kurzweilig und absolut jugendfrei.
Im letzten Märchen erfährt man zum Beispiel, wie das Wermutkraut und der daraus gebraute Absinth einen magenkranken Räuberhauptmann gesund machen. Zwei gefangene Pilger verraten ihm und seinen Spießgesellen das Rezept für den Wermuttee und wie man den grünen Likör braut. Damit bringen sie die Bande zurück auf den Pfad der Tugend und auch an den Rand des Wahnsinns. Hier das schaurige Ende des Kräutermärchens:
»Fünf Tage Wermutkur zeigten ihre Wirkung. Der Räuberhauptmann brüllte und rülpste und furzte, als wäre er niemals krank gewesen! Am siebten Tag, knapp vor Mitternacht, warf er den Krautkranz ins Feuer und fühlte sich mit einem Schlag vollends gesund! »Pilger, Ihr seid frei! Verschwindet, bevor ich es mir anders überlege!«
Die beiden Brüder machten sich auf den Weg zum Wallfahrtsort und erreichten ihn wohlbehalten. Auch der Rückweg verlief ohne Zwischenfälle, die Räuberbande ließ sich nicht blicken.
Einige Monate später hörten die Brüder eine merkwürdige Geschichte: Im Wallfahrtsort war eines Tages eine seltsame Pilgergruppe aufgetaucht. Wilde, bärtige Gesellen, die eher wie Räuber als wie Pilger aussahen. Sie trugen eine riesige Truhe mit sich, öffneten sie und leerten den gesamten Inhalt - Gold, Juwelen, Perlen - vor die Füße des herbeigeeilten Pfarrers. Sie murmelten unverständliche Worte, lachten irr und starrten mit stumpfem Blick in die Runde. Dann verließen sie, so schnell und spurlos wie sie gekommen waren, wieder den heiligen Ort.
Der Absinth hatte seine Wirkung getan.

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