Behandlungen

Wie gesund lebt sich´s im Schlaraffenland?

Keine Angst vor dem Cholesterin


Schlaraffenland
Lustvoll essen. Wer denkt da an Zucker und Fett.
In den 50iger Jahren waren die Menschen überwiegend schlank und noch "gesund". Kaum jemand sprach über seinen Cholesterinspiegel. Zwar war das Cholesterin in Medizinerkreisen bekannt als Grundstoff von Hormonen und als nötige Substanz für die Gesunderhaltung der Zellen, jedoch wurde es nicht im Zusammenhang mit Krankheiten gesehen.

Dann begann das Wirtschaftswunder. Es wurde üppiger gegessen und getrunken, die Blutwerte, beim Arzt gemessen, veränderten sich und auch der Cholesterinwert ging in die Höhe. In Amerika wurden daraufhin Studien in Auftrag gegeben, deren Ergebnis besagte, dass ein Cholesterinspiegel nicht höher sein dürfe als 200mg/dl, und da das kaum jemand erreichte, galten plötzlich alle Trümmerfreuen
Trümmerfrauen nach dem Krieg
Menschen als fehlernährt. An den Appell des Wirtschaftsministers Ludwig Erhard "Maß zu halten" hielten sich nur wenige. Das war die große Zeit der Margarinehersteller, die ihr Geschäft witterten und man stellte an die staunenden Konsumenten die Gewissensfrage: Butter oder Margarine? Diese Frage stellt sich noch heute. Auf der einen Seite vertreten die Margarineproduzenten (Chemische-Industrie) und auf der anderen Seite die Bauern- und Landwirtschaftsverbände ihre Interessen.

Cholesterin ist in erster Linie ein lebenswichtiger Stoff für den menschlichen Körper. Er ist Bestandteil der meisten Zellen und Gewebe und wird besonders in Gehirn und Nervensystem benötigt, in der Leber, im Blut und den Geschlechtsorganen. Viele Vorgänge im Körper sind ohne Cholesterin nicht möglich. So zum Beispiel die Herstellung von Hormonen (Cortisol, Sexualhormone), von Vitamin D und von Gallensäuren, die wiederum nötig sind für die Fettverbrennung. Cholesterin transportiert die Vitamine A und E im Blut und ist zuständig für die Stabilität und Durchlässigkeit der Zellwände. Bei einem Menschen, der keine cholesterinhaltige Nahrung zu sich nimmt, muss der Körper das benötigte Cholesterin in der Leber und in den Schleimhäuten der Darmwände selber herstellen.


Margarine
Glückliche Gesichter werben für Margarine
Man weiß heute, dass die Höhe des Cholesterinspiegels hauptsächlich von der körpereigenen Produktion abhängt und erst in zweiter Linie von der Ernährung. Außerdem gibt es genetisch bedingte Faktoren, die zu einem erhöhten Cholesterinspiegel führen. Auch eine Niereninsuffizienz, Leber- oder Gallenwegserkrankungen, eine zu geringe Funktion der Schilddrüse oder auch ein schlecht eingestellter Diabetes können der Grund für zu hohe Werte sein. Um heute gesund und fit zu bleiben, ist es ab einem Lebensalter von über 35 Jahren wichtig, beim Arzt auch mal den Cholesterinspiegel überprüfen zu lassen.

Das Gesamtcholesterin ist allerdings weniger aussagekräftig. Entscheidend für die Bewertung sind, neben weiteren Bausteinen, vor allem das LDL, das sogenannte "schlechte" Cholesterin (Low Density Lipoprotein/Fetteiweiß von geringer Dichte) und das sogenannte "gute" Cholesterin, das HDL (High Density Lipoprotein/Fetteiweiß von hoher Dichte).
Optimale Werte sind beim HDL: höher als 50 mg/dl, und beim LDL: niedriger als 150 mg/dl. Das günstigste Verhältnis zwischen beiden Fetten liegt bei 3:1 (LDL:HDL).

Bei älteren Personen über 55 Jahren gilt eine andere Regel. Wenn keine weiteren Risikofaktoren bestehen, wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck, dann ist hier ein Gesamtcholesterinwert von 200 mg/dl plus Alter zu tolerieren. Allerdings gilt hier ebenso, dass das Verhältnis von HDL zu LDL stimmt. Dazu kommt noch ein weiterer Baustein, die sogenannten Triglyzeride, medizinisch auch Triacylglycerine genannt. Diese Fette sollten möglichst unter 150 mg/dl liegen. Ständig erhöhte Werte weisen hier auf Fettstoffwechselstörungen und Störungen in der Blutgerinnung hin.

Das HDL und das LDL haben im Blut verschiedene Aufgaben zu verrichten. Das so gescholtene "schlechte" LDL übernimmt den Transport der angelagerten Cholesterine von der Leber zu den Organgeweben. Das "gute" HDL holt dann die überschüssigen Cholesterine, z.B. von den Blutgefäßwänden wieder zur Leber zurück, wo sie mit den Gallensäuren über den Darm Bauernschmaus
Cholesterinbombe Bauernschmaus
ausgeschieden werden können. Ein gesunder Organismus stellt über verschiedene Mechanismen im Körper ein Gleichgewicht zwischen benötigtem, über die Nahrung aufgenommenem und selber produziertem Cholesterin her. Der Normwert des Cholesterinspiegels ist abhängig von Alter und Geschlecht. So erhöht sich der Wert im Alter, und Frauen habe grundsätzlich einen höheren Wert. Besonders hohe Werte haben Schwangere, die ja ihr Baby im Mutterleib mit versorgen.

Nun ist es jedoch nicht so, dass wir den Wert unseres Cholesterinspiegels vergessen sollten. Die bekannteste Krankheit bei erhöhten Werten sind Gallensteine. Meist ist aber ein ständig erhöhter Wert genetisch bedingt. Allerdings muss auch ein ständig zu niedriger Gesamtwert, der nie über 130 mg/dl steigt, abgeklärt werden. Bei diesen Menschen liegt oft eine Leberschädigung vor. Auch wenn Cholesterin sich in Herz und Gefäßen anlagern kann und nicht mehr rücktransportiert wird, ist das für den Organismus gefährlich.

Man sagt, dass bei einem erhöhten Cholesterinspiegel, besonders bei erhöhtem LDL-Anteil, die Gefahr von Herz- und Kreislauferkrankungen steigt. Diese Erkenntnis beruht darauf, dass durch falsche und fettreiche Ernährung, z.B. Fleisch und Wurst, zu viele Eier, Kuhmilchprodukte und Butter ein erhöhter Cholesterinspiegel entsteht. Dieser führt zu Arteriosklerose. Und Arteriosklerose führt in den meisten Fällen zum Herzinfarkt. Somit ist cholesterinreiche Ernährung mit ein Auslöser für Herzinfarkte.
gebratene Shitake Pilze
Gesunde Shitakepilze
Diese These wird heute zunehmend bestritten. In den USA wurden großangelegte Studien durchgeführt und die Nahrungsmittel "entfettet". Die Forscher berichteten, es gäbe keinerlei Vorteile einer fettarmen Ernährung. Allerdings ist nicht zu bestreiten, dass Cholesterin ein wesentlicher Bestandteil von arteriosklerotischen Ablagerungen ist.

Viele Studien beweisen auch, dass neben erblicher Vorbelastung, hohes Übergewicht, zu wenig Bewegung, zu hoher Blutdruck, Rauchen und übermäßiger Genuss von Alkohol und Süßwaren mitverantwortlich sind für Arteriosklerose. Auch "negativer Streß", der den Menschen dauerhaft begleitet, kann Arteriosklerose begünstigen. Hier sind nicht die Cholesterine, sondern die Stresshormone für die Plaquebildung verantwortlich. Ein gewisser Prozentsatz an Patienten mit Herzinfarkt hatte zum Zeitpunkt der Erkrankung gar keinen erhöhten Cholesterinspiegel.

Zur "Bekämpfung" des Cholesterins wurden von den Pharmafirmen Medikamente zur Senkung der Blutfette entwickelt. Die Firmen wetteifern bis heute untereinander, wer das wirkungsvollere Medikament herstellt. Hier werden Milliarden Umsätze gemacht. Präparate zur Cholesterin-Senkung sind seit Jahren die Aufsteiger am Medikamentenhimmel. Allerdings konnte in Studien kein Nachwies erbracht werden, dass sich durch medikamentöse Senkung des Cholesterinspiegels ein großer Nutzen zur Verlängerung des Lebens ergeben hätte. Im Gegenteil, es wurde festgestellt, dass auf lange Sicht durch diese sogenannten "Lipidsenker" auch der Medikamente zur Cholesterinsenkung
Gefährlicher Cholesterinsenker
Gehirnstoffwechsel gestört wird. Dadurch werden die Zellmembranen nicht mehr ausreichend mit Cholesterin versorgt. Es fehlen notwendige Vitamine und Aminosäuren, die von wesentlicher Bedeutung beim Lernen und für die Funktion des Gedächtnisses sind. Bei drastischer Reduzierung von Fett in der täglichen Nahrung, sinkt das "gute" HDL und damit die gefäßschützende Wirkung.

Cholesterin ist also lebensnotwendig für den Körper, und nicht ein Feind, der Krankheiten verursacht. Wer sich täglich genügend bewegt, nicht raucht, nicht zuviel Alkohol trinkt und täglich nicht mehr als 70 Gramm Fett zu sich nimmt, muss nicht ständig seine Werte überprüfen lassen. Diese 70 Gramm sollten gedrittelt sein: ein Drittel gesättigte Fette, also tierische Produkte, ein Drittel einfach ungesättigt, vor allem Olivenöl, und das restliche Drittel mehrfach ungesättigte Fette, zum Beispiel Sonnenblumen-, Distel- oder Maiskeimöl. Wichtig sind noch täglich viel frisches Gemüse, Obst und Ballaststoffe.
Vergessen werden meist die vielen versteckten Fette. Der tägliche Bedarf ist bereits bei 70 Gramm gedeckt. 100g Salami schlagen mit 50g Fett zu Buche. Zwei Handvoll Chips mit 42g. Für 100g Vollmilchschokolade müssen 43g Fett berechnet werden. Mettwurst und Leberwurst liegen bei 45g. Pralinen oder Kuchen haben ca. 16g und zwei kleine Eier schon 12g. Dagegen findet man in 100g Hähnchenschenkeln (gedünstet und ohne Haut) nur 3g und in magerem Fisch oder Magerquark sogar nur 1g.

Ein sehr guter Cholesterinsenker ist das klassische Hausmittel Haferflocken - als Suppe oder als Frühstücksmüsli. Im Süden Europas schwört man dagegen auf Artischocken. Die Pharmaindustrie verarbeitet deshalb diese Pflanze auch zu Cholesterin senkenden Nahrungsergänzungsmitteln. Ein weiterer guter Cholesterinsenker ist der Shitake-Pilz. Er wird im Fernen Osten kultiviert und hat in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen seine Heil- und Schutzwirkung bestätigt. Er kann das Cholesterin im Körper mehr als 10% senken und wirkt als Schutz für Venen und Arterien. Lecker schmeckt er im Salat, am besten blättrig geschnitten und entsprechend gewürzt und in der Pfanne angebraten.

Michelangelos David
Vom Cholesterin befreit: Michelangelos David
Sehr bekömmlich für den Stoffwechsel sind Obst- oder Rohkosttage. Hier gibt es nur wenig Kalorien und kein Cholesterin und die hierin enthaltenen Eiweiße sind sehr wertvoll, weil sie Leber und Niere von den Harnsäure bildenden, tierischen Eiweißen entlasten können. Die vielen Ballaststoffe fördern die Verdauung und zusätzlich vorhandene Begleitstoffe wie Flavonoide, Phenölsäuren oder Carotinoide und ganz besonders das Pektin des Apfels schützen nachweislich Herz und Darm. Absolut hervorragend ist der hohe Lecithingehalt von Soja. Er verhindert, dass sich Cholesterin in den Arterien ablagert. Außerdem verbessert das Lecithin die Funktionen des Zentralnervensystems und des Gehirns. Die enthaltene Linolsäure hilft das Cholesterin in der Leber abzubauen. Ähnliche Wirkungen sind auch von Samensprossen bekannt, und hier besonders die Sprossen der Sonnenblume, dessen Eiweiß in den Keimen schon in essentielle Aminosäuren aufgespalten ist. Auch hier wirkt der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren, vor allem Lecithin und Linolsäure.

Und lassen Sie sich nicht die "Butter vom Brot" nehmen. Butter ist ein Naturprodukt, ist leicht verdaulich und gut verträglich. Butter enthält eine beträchtliche Menge an einfachen und mehrfach gesättigten Fettsäuren. Aber bitte in Maßen genießen, und wenn täglich, dann nicht mehr als 10 - 20 Gramm.

Die Medikamente um Blutfette abzubauen sind nur bei "krankhaft" erhöhten Blutfetten, die oft erblich bedingt sind, einzusetzen, denn sie haben nachweislich viele Nebenwirkungen. Sie verhindern die Aufnahme der Nahrungsfette und behindern aus diesem Grund auch die Gesundes MüsliVerstoffwechselung der fettlöslichen Vitamine, E, D, K und A. Der bessere Weg, einen erhöhten Cholesterinspiegel wieder auf normale Werte zurückzubringen ist deshalb immer der Beginn einer Ernährungsumstellung. Der Erfolg ist schon in kürzester Zeit nachweisbar.

Vierzehn Tage Haferflockenmüsli zum Frühstück senken den Cholesterinwert. Wer drastisch reduzieren will, sollte eine oder zwei Wochen NUR Haferflocken essen.