Behandlungen

Wie man sich vor Altersdemenz schützt


Hoher Homocystein-Spiegel birgt Risiken

Mit steigender Lebenserwartung steigt auch das Risiko, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken. Zurecht fragt man sich deshalb, welche Möglichkeiten gibt es, mit naturheilkundlichen Methoden diesem Prozess vorzubeugen, oder diesen zu verlangsamen. Folgende Punkte sind wichtig:

Frauenwandergruppe
Bergauf für die Kondition

1. Körperliche Aktivität bringt den Stoffwechsel in Schwung und erhöht das Wohlbefinden. Wandern, schwimmen, Gartenarbeit, tanzen, kegeln oder Gymnastik bringen uns in gute Stimmung. Das beugt Depressionen vor und stärkt den Lebensmut. Das Essen schmeckt, wir können gut schlafen und blicken positiv in die Zukunft.

2. Geistige Aktivität lässt unsere Gehirnwindungen nicht so schnell einrosten und hält die „Grauen Zellen" in Bewegung. Durch lesen, Briefe schreiben, Kreuzworträtsel oder Sudokus lösen, auch durch Kurse an der Volkshochschule bleibt unser Gehirn gefordert. Vor allem das Musizieren, das Singen und Gruppendiskussionen, auch Gebete und Meditationen, wie zum Beispiel Yoga halten uns fit. Besonders der Umgang mit dem Computer, das Recherchieren von Wissenswertem (Kochrezepte, Nachrichten, Filmkritiken) und das Schreiben von mails beugen einer geistigen Passivität vor. Übermäßiger Fernsehkonsum zum Beispiel macht uns träge.

Schach hält Graue Zellen fit
Schach hält Graue Zellen fit
3. Eine ausgewogene Ernährung hilft uns, körperlich und geistig gesund alt zu werden. Viel frisches Obst und Gemüse essen, auch im Winter, viel trinken, zum Beispiel Tees, verdünnte Fruchtsäfte und Mineralwasser. Mit Zucker und Süßigkeiten sollte man sparsam umgehen. Reichlich Vollkornprodukte auf den Tisch bringen, wenig Wurst und Fleisch und mindestens einmal in der Woche Fisch, um eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäure zu gewährleisten. Ein Tasse Kaffe am Morgen und ein Gläschen Wein oder Sekt am Abend sind erlaubt.

Musizieren macht gute Laune
Musizieren macht gute Laune
4. Achten Sie auf Ihren Blutdruck. Durchblutungsstörungen im Gehirn erhöhen das Risiko, an Demenz zu erkranken. Deshalb sollte man wenn möglich selbst, oder über den Arzt seinen Blutdruck kontrollieren. Stellt man fest, dass er unregelmäßig oder zu hoch ist, und dass man ihn mit den oben angesprochenen Punkten nicht senken kann, helfen Medikamente.

5. Eine moderne Erkenntnis ist der Zusammenhang zwischen dem Homocystein-Spiegel und dem Demenz Risiko. Der Körper eines Menschen besteht aus Billionen von Zellen, die nach einem kontrollierten System miteinander zusammenarbeiten. Wenn im Laufe des Lebens viele Zellen erneuert wurden, kann sich diese Fähigkeit der fehlerlosen Zellteilung schnell erschöpfen. Dies führt zur Schwäche des Körpers und zu Alterserkrankungen. Lebenswichtig ist das Blutgefäßsystem, das uns ernährt, mit Sauerstoff versorgt und Giftstoffe und Schlacken abtransportiert. Wenn dies nicht mehr richtig funktioniert, kommt es zu Störungen.

Welchen Einfluss hat nun das Homocystein?

Homocystein entsteht durch den Stoffwechsel der Leber. Das unerwünschte Zwischenprodukt kann durch chemische Reaktionen mit B-Vitaminen umgewandelt und ausgeschieden werden. Geschieht dies nicht in ausreichendem Maße, führt das zu verkalkten Gefäßen und damit zur Entstehung von Arteriosklerose. Dies ist ein Risikofaktor, um einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Diese Krankheiten sind heute aber weitgehend gut erforscht und auch entsprechend ausreichend mit Medikamenten zu behandeln.

Es muss nicht immer Fleisch sein
Es muss nicht immer Fleisch sein
Relativ neu ist allerdings die Erkenntnis, dass ein erhöhter Homocysteinspiegel das Absterben von Hirnzellen bewirken kann. Was zu kognitiven und motorischen Störungen führt. Für die Senkung des Homocysteinspielgels sind die wasserlöslichen Vitamine B12, B6 und in besonderem Maße die Folsäure (frühere Bezeichnung B9) von überragender Bedeutung. Eine zentrale Rolle spielt die Folsäure. Sie ist für die Zellteilung und Zellerneuerung notwendig. Zusammen mit dem Vitamin B12 ist sie unter anderem zuständig für die Bildung der roten und weißen Blutplättchen und der Thrombozyten, die den Wundverschluss steuern. Folsäure hat auch Einfluss auf die Bildung des Schlafhormons Melatonin.

Damit Folsäure wirken kann, ist ein Wechselspiel mit Vitamin C und im Dünndarm vorhandenen Bakterien nötig, ebenso ein ausgewogener Anteil an Homocystein. Allerdings muss das Homocystein nach seiner erledigten Arbeit wieder im Körper recycled werden. Dies geschieht mit Hilfe der Vitamine B12 und B6. Fehlen die B-Vitamine bleibt überschüssiges Homocystein übrig. Es lagert sich bevorzugt im Gehirn ab. Die Folge sind Demenz und Alzheimer.

Vitamin B12
Vitamine aus der Dose?
Der tägliche Bedarf an Folsäure liegt bei 400 Mikrogramm, wobei ein Großteil in der Leber gespeichert werden kann. Trotzdem herrscht in unseren Breiten Folsäuremangel, der durch die normale Ernährung nicht abgedeckt wird. Einige Medikamente können die Aufnahme von Folsäure stören: Aspirin, Antibiotika oder die Antibabypille.

Folsäurehaltige Lebensmittel sind: Weizenkeime, Sojabohnen, Schweineleber, Eigelb, Fenchel, Chinakohl, Spargel, Spinat, Blumenkohl, Endivien, Roggenvollkorn, Kopfsalat, Linsen, Brokkoli, Haferflocken, Vollkornreis, Milchprodukte und Tomaten.

Wie schon erwähnt benötigen wir für den Stoffwechsel das Vitamin B12. Der bekannteste Vitamin B12-Mangel ist die Anämie (Blutarmut). Für die Aufnahme von B12 wird der sogenannte Intrinsic-Faktor benötigt, der in der Magenwand produziert wird. Zusammen wandert das B12 mit dem Intrinsic-Factor in den Dünndarms. Hier wird der Intrinsic-Factor wieder abgebaut und B12 an das Blut abgegeben. Dabei spielen Mikroorganismen eine wichtige Rolle. Fleisch, Fisch, Leber, Milch, Käse oder Eier, also ausschließlich tierische Produkte, liefern das Vitamin B12. Dieses wird in der Leber gespeichert und später wieder über die Gallenflüssigkeit abgegeben. Der Leberkreislauf recycled davon eine ganze Menge. Ist der Verdauungstrakt gestört, entsteht ein B12 Mangel.

Erdbeeren und Spargel
Spargel und Erdbeeren liefern B 6
Vitamin B6 beeinflusst die Blutgerinnung und ist ein Risikofaktor für Thrombosen. Chemisch betrachtet handelt es sich bei dem Vitamin um einen Sammelbegriff für verschiedene Moleküle, die alle dieselbe Vitaminwirkung haben. B6 ist an zahlreichen Reaktionen in unseren Zellen beteiligt. Der Tagesbedarf kann über unsere Ernährung gedeckt werden. Besonders in Fisch und Leber, in Brokkoli, Spinat und Grünkohl befinden sich große Mengen Vitamin B6.

Viele Studien haben bisher gezeigt, dass ein hoher Homocysteinspiegel bei gleichzeitigem Mangel an B-Vitaminen und Folsäure zu neurodegenerativen Prozessen wie Demenz oder Alzheimer-Erkrankungen führt.

Den Homocysteinspiegel kann man im Blut ermitteln. Weicht der Normalwert (5-10 µmol pro Liter Blut) deutlich nach oben ab, ist es sinnvoll, noch andere Blutwerte zu beachten, wie zum Beispiel die Blutfette (LDL, Lipoprotein a) und den Entzündungsmarker (CRP). Eine Erhöhung dieser Werte beeinflusst die Homocysteinwirkung negativ.

Das Risiko, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken, ist zwar durch unsere höhere Lebenserwartung gestiegen, aber die Erkenntnisse der medizinischen Forschung zeigen, dass Demenz kein unabwendbares Schicksal im Alter sein muss, sondern dass man aktiv etwas dagegen tun kann.

Leserinnen
Lesen macht schlau, Fernsehen macht träge!