Behandlungen

Die Macht des Mondes

und sein Einfluss auf Menschen, Tiere und Pflanzen

Abstand von der Erde zum Mond

384.400 Kilometer voneinander entfernt: Erde ( blaue Kugel links) und Mond (heller Punkt rechts).


Der Mond spielt im Leben der Menschen schon immer eine besondere Rolle. In allen Kulturen gibt es die mythologische Verehrung von Sonne und Mond. Doch im Unterschied zur Sonne zeigt sich der Mond in ständig veränderter Gestalt. Am Abendhimmel ist seine silbrige Scheibe für uns ein vertrauter Anblick, obwohl er jedes Mal ein wenig anders aussieht. Entweder ist er rund (Vollmond) oder sichelförmig (zu- oder abnehmend) oder oft auch gar nicht (Neumond) zu sehen. Mal geht er erst spät am Abend auf und manchmal ist er noch am frühen Morgen da. Dieses optische Phänomen erklärt sich dadurch, dass der Mond auf seiner Kreisbahn um die Erde von der Sonne in einem jeweils anderen Winkel angestrahlt wird.
Baum vor Vollmond
"Papa, erklär mir den Mond!"
Die Erde, auf der wir Menschen leben, umrundet die Sonne in einem Jahr. Während dieser Reise umkreist der Mond als Begleiter etwa zwölfmal die Erde und so kommt es ständig zu neuen Stellungen dieser drei Himmelskörper. Außerdem dreht sich unsere Erde alle 24 Stunden um die eigene Achse, was wir als Tag und Nacht erleben, je nachdem, ob wir der Sonne zu- oder abgewandt sind.

Für exakte Kalenderberechnungen nutzte man in den alten Kulturen schon sehr bald die Beobachtung des Sonnenstandes am Himmel. Der weniger wissenschaftliche, mythologische Volksglaube fand in den Mondphasen eine Verbindung zum Kreislauf der Natur und des Lebens - ein Werden und Vergehen mit Fruchtbarkeit, Wachstum und Sterben bei Mensch und Tier und auch in der Pflanzenwelt. Deshalb wurde der Mond, ebenso wie die Sonne, als göttlich verehrt. Man brachte ihn in fast allen Kulturen mit dem weiblichen Element, der Fruchtbarkeit, den Gefühlen und der Sexualität in Verbindung. Den Mondgöttinnen schrieb man drei Gesichter zu:
Der Neumond spiegelt die aufblühende, verführerische Göttin wider, voller erwachender Sexualität.
Der Vollmond, die fruchtbare Mutter, trägt das Leben in sich.
Und der abnehmende Mond ist die weise Frau, eine Heilerin, alt aber magiebegabt.
Sogar in der christlichen Symbolik wird der Mutter Gottes der Mond zugeordnet. Ihr Abbild thront meist auf einer Mondsichel.

Madonna in der Mondsichel
Mutter Gottes (Albrecht Dürer)
Mit Hilfe der Mondphasen unterteilte man ein Jahr in Monate und Wochen und bestimmte damit auch religiöse Feste und landwirtschaftliche Termine. Auf dem Konzil von Nicäa (nahe dem heutigen Istanbul), zu dem Kaiser Konstantin I. einberufen hatte, legten die Kirchenväter im Jahr 325 nach Christus unter anderem fest, dass das Osterfest, an dem man den Tod und die Auferstehung Christi feiert, auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond fällt.
Alle anderen Kirchenfeste richten sich dann nach diesem Datum. So feiern wir das Pfingstfest 49 Tage nach Ostern und Fronleichnam 60 Tage später. Aschermittwoch, der die Fastnachtszeit beendet, liegt dagegen 46 Tage vor Ostern. Auch im islamischen Glauben richtet man sich nach dem Mond. Hier ist der neunte Monat des Mondkalenders der Fastenmonat Ramadan. In der traditionellen chinesischen Kalenderrechnung fällt der Beginn eines Jahres auf den ersten Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar.

In allen Kulturen übt der Erdtrabant mit seinem wechselnden Gesicht eine Faszination auf den Menschen aus. Doch was ist wirklich dran an Mondkalendern, Mondkräften und der Schlaflosigkeit bei Vollmond?
Ein wissenschaftlich belegter Einfluss des Mondes auf die Erde sind die Gezeiten, also Ebbe und Flut in den Meeren. Die Ursache hierfür ist die Gravitationskraft des Mondes, die die Wassermassen der Weltmeere auftürmt. Dies passiert zweimal am Tag, da sich die Erde in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse dreht und dadurch dem Mond und seiner Schwerkraft immer eine andere Seite zuwendet. An den Küsten steigt und fällt der Meeresspiegel regelmäßig zweimal am Tag. Etwas mehr als sechs Stunden lang steigt das Wasser (Flut) und in einem ebenso langen Zeitraum fällt es wieder ab (Ebbe). Besonders deutlich ausgeprägt sind Ebbe und Flut, wenn bei dem himmlischen Karussell Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Dann gibt es die sogenannte Springflut.

Umlauf von Erde und Mond um die Sonne
Umlauf von Erde und Mond um die Sonne
Nach eigenen Angaben bezeichnet sich beinahe die Hälfte aller Deutschen als "wetter-" oder "mondfühlig". Sie beklagen sich verstärkt über Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit, manche fühlen sich überdreht und andere sind den ganzen Tag müde oder würden morgens am liebsten gleich im Bett bleiben. Der Kreislauf macht Probleme, der Blutdruck spielt verrückt. Körperliche Beschwerden scheinen sich zu verschlechtern.
Wissenschaftler hingegen behaupten, es gäbe keinen Zusammenhang, außer einer Placebowirkung. Auch zu den Themen Verkehrsunfälle, Haare schneiden, Zahnarztbesuch oder Operationstermin gibt es bislang keine wissenschaftlich fundierten Studien, die einen Einfluss des Mondes auf den Menschen belegen. Früher behauptete man, Schlafwandler seien mondsüchtig. Heute weiß man, dass diese ungewöhnlichen Nachtaktivitäten mit einer neurologischen Störung und dem Haushalt der Schlafhormone zusammenhängt. Man weiß, dass dies mit den Lichtverhältnissen am Schlafplatz zu tun hat, dabei könnte, neben künstlichem Licht, aber auch der Mond eine Rolle spielen.

Schafe in einer Mondnacht
Unruhige Schafe in einer Mondnacht
Aus Tierexperimenten weiß man jedoch, dass sich bestimmte Fruchtbarkeitszyklen von Meerestieren, zum Beispiel von Muscheln und Krebsen nach dem Stand des Mondes (Mondlicht, und Ebbe und Flut) richten. Auch Wölfe und Hunde heulen manchmal nachts den Vollmond an, der alle 28 Tage am Himmel zu beobachten ist. Auch der Menstruationszyklus der Frau läuft in diesem Rhythmus ab. So enthält zum Beispiel eine Packung "Antibaby-Pillen" 28 Tabletten.

Im Volksglauben gibt es die altbekannte Regel, dass Fasten und Gewichtsabnahme am besten bei abnehmendem Mond funktionieren und wer bei zunehmendem Mond zu üppig isst, sieht das Ergebnis ganz schnell auf der Waage. Esoteriker setzen die Wirkung des Mondes auch in Beziehung zu den Sternzeichen und den anderen Planeten und richten nach bestimmten astrologischen Regeln ihre Lebensgewohnheiten aus. Der Mond soll vor allem auf das Sternzeichen Krebs einen starken Einfluss haben.
Auch viele Gärtner orientieren sich nach den Mondphasen. An bestimmten Tagen werden die Pflanzen umgetopft. Gedüngt wird nur bei abnehmendem Mond. Tee- und Gartenkräuter werden zu bestimmten Mondständen gepflückt. Ebenso berücksichtigt man dies bei der Bewässerung und Schädlingsbekämpfung.

Heulender Wolf bei Vollmond
Heulender Wolf bei Vollmond
Die allerdings einfachste und älteste Mondregel für Gärtner hierzu lautet: Was nach unten wächst, muss bei abnehmendem Mond, was nach oben wächst, bei zunehmendem Mond gesät werden, um den Ertrag zu optimieren.

Der Mond beflügelt unsere Phantasie. Als geheimnisvoller Begleiter der Erde wird er zum Reiseziel unserer Träume. Seit Kindheit kennen wir die Geschichte von "Peterchens Mondfahrt", wenn Peterchen und Anneliese mit dem Maikäfer Sumsemann zum Mond fliegen. Jules Verne (1828 - 1905) gilt als einer der Begründer des sogenannten Zukunftsromans. Er schrieb bereits 1865 den Fantasie-Roman "Von der Erde zum Mond" und dazu einen Folgeroman "Reise um den Mond". Der französische Autor hat in seinen Geschichten erstaunliche Einzelheiten vorausgesagt. Den ersten Science-Fiction-Mond-Film drehte 1902 George Méliès. In diesem Stummfilm fliegt eine Gruppe von Wissenschaftlern in einem eisenbahnartigen Raumschiff direkt in die große Scheibe.

Der erste Mensch auf dem Mond
Buzz Aldrin auf dem Mond
Mit der Mondmission "Apollo 11" haben die Amerikaner am 20.Juli 1969 diesen Traum Wirklichkeit werden lassen. Millionen Zuschauer verfolgten atemlos an ihren Fernsehgeräten den aufregenden Moment wie die beiden Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin als erste Menschen die Mondoberfläche betraten.
Nun wussten alle: Der Mond hat kein Gesicht und es gibt keinen "Mann im Mond".
Sondern: Der Mond ist ein natürlicher Satellit der Erde und kreist in einer Entfernung von 384.400 Kilometern um sie herum. Sein Durchmesser beträgt 3.476 Kilometer, ungefähr ein Viertel des Durchmessers der Erde. Er wurde bei den Apollo Missionen kartographiert. Gesteinsproben, die man zur Erde zurückbrachte, gaben darüber Aufschluss, wie er entstanden ist.
Man glaubt heute, dass ein vorbei rasender Himmelskörper, die früher noch unbewohnte Erde gesteift habe und dabei Gesteinsbrocken herausgebrochen und ins All geschleudert habe. Diese formten sich zum Mond, der von der Schwerkraft der Erde gefangen blieb und ihr Begleiter wurde.
Es dauerte lange, bis die Astrophysiker und schließlich dann die Raumfahrer uns die Rückseite des Mondes zeigen konnten. Der Mond dreht sich bei seinem Erdumlauf nämlich immer so (gebundene Rotation), dass wir von ihm stets nur die gleiche Seite sehen. Erst von den Apollo Raumschiffen aus, die den Mond umkreisten, fotografierte man die erdabgewandte Seite. Heute zeigen Präzisionsmessungen, dass sich der Mond auf seiner Umlaufbahn jährlich um etwa drei Zentimeter von der Erde entfernt, und dass unsere Erde deshalb immer langsamer rotiert und so die Tage immer länger werden. Eines fernen Tages, so die Himmelsforscher, müsste sich die Erde so langsam drehen, dass sie dann dem Mond immer die gleiche Seite zuwendet. Dann würde ein Erdentag etwa so lange dauern, wie heute ein ganzer Monat. Dieses gespenstische Szenario werden die Menschen allerdings nicht mehr erleben, weil dann bereits unsere Sonne erloschen ist.
Vor zwei Jahrhunderten wusste man von alledem noch nichts. Da schrieben kluge Männer, wie der Naturforscher und Dichter Johann Wolfgang von Goethe, romantische Betrachtungen über den himmlischen Erdbegleiter.

Frau und Mann im Mondlicht
Nachtspaziergang (C.D.Friedrich)
Nacht ist hereingesunken

Nacht ist schon hereingesunken, schließt sich heilig Stern an Stern,
große Lichter, kleine Funken glitzern nah und glänzen fern;
glitzern hier im See sich spiegelnd, glänzen droben klarer Nacht,
tiefsten Ruhmes Glück besiegelnd herrscht des Mondes volle Pracht.