Behandlungen

Königliche Geschenke

Gold, Weihrauch und Myrrhe

In seiner Weihnachtsgeschichte berichtet der Evangelist Matthaeus folgendes: Als Maria ihr Kind in einem Stall geboren hatte und dieses in der Krippe lag, kamen drei weise Magier aus dem Morgenland, die nach dem neuen König der Juden suchten, weil das die alten Schriften weissagten. Die drei Männer wunderten sich über die armselige Herberge, knieten dann vor dem Kind nieder und überreichten ihre Geschenke. Das waren Gold, Weihrauch und Myrrhe, nicht gerade Geschenke, die ein Neugeborenes oder seine Eltern brauchen konnten, so möchte man meinen.

Anbetung der Heiligen Drei Koenige
Die Heiligen Drei Könige beim Jesuskind
Viele gelehrte Menschen haben sich später über diesen Bericht den Kopf zerbrochen und darüber, was die Geschenke der Weisen, früher nannte man sie auch die Heiligen Drei Könige, zu bedeuten hätten. Wollten die sternkundigen Magier damit eine Prophezeiung aussprechen? Und wenn ja, was wussten sie über das Kind in der Krippe, nach dem der finstere König Herodes seine Späher ausschickte?

Hinter den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland, die der Stern bis nach Betlehem geführt hatte, verbirgt sich so manches Geheimnis und so manches geheime, kultische und medizinische Wissen der alten Völker.

Gold (Aurum) ist das edelste und kostbarste aller Elemente. Aus dem begehrten Edelmetall prägte man kostbare Münzen und fertigte edlen Schmuck. Aus Gold wurden bei den reichen Völkern die Insignien der königlichen Macht wie Krone, Zepter oder der Thron gefertigt. Das Kind in der Krippe sollte als König die Welt regieren.

Weihrauch
Weihrauch
Das kostbare, wohlriechende Harz des Weihrauchbaumes (Boswellia) ist das Symbol des Göttlichen. Die drei Weisen verehrten den kleinen Jesus als Gott. Weihrauch wurde in vielen Hochkulturen den höheren Wesen geopfert. Priester verbrannten das Baumharz auf den Altären und schufen so eine Verbindung zu den Göttern. Heute weiß man, dass die psychoaktiven, bewusstseinserweiternden Substanzen, die bei der Verbrennung freigesetzt werden, tranceähnliche Zustände hervorrufen können. In der alten orientalischen Heilkunde wird der Weihrauch zur „Stärkung des Geistes und des Verstandes" empfohlen. In der klassischen europäischen Naturheilkunde setzte man früher den Weihrauch zur Linderung von rheumatischen Erkrankungen ein. Auch Hildegard von Bingen und Pfarrer Sebastian Kneipp wussten um die beruhigende und lindernde Wirkung des Weihrauchs bei ihren Therapien. Alternative Mediziner erproben Präparate des indischen Weihrauchs als neue Mittel gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Gelenksentzündungen (Polyarthritis).

Im tibetischen Mittel „Padma", das zur Blutverdünnung und zum seelischen Ausgleich empfohlen wird, nutzt man ebenfalls die angstlösende und antidepressive Wirkung des Weihrauchs. Von verschiedenen Anbietern sind Weihrauchkapseln zu beziehen.

Myrrhe
Blätter der Myrrhe
Das dritte Geschenk der Magier an der Krippe war die Myrrhe (Commiphora myrrha). Damit weissagten sie, dass auch Christus, so wie alle Menschen, eines Tages sterben werde. Die Myrrhe ist das Symbol des Todes. Im alten Ägypten nutzte man bereits vor Jahrtausenden diese Pflanze zur Einbalsamierung der Verstorbenen. Das getrocknete, gelbbraune Harzgranulat spielte auch in Jemen, Äthiopien, im Sudan und in Somalia bei Bestattungen eine wichtige Rolle. Die Juden legten ihren Verstorbenen Myrrhe und Aloe mit ins Grab. Extrakte aus diesen Pflanzen waren auch Bestandteil des kostbaren Öls, das man für kultische Salbungen verwendete. So bedeutet zum Beispiel der Name Christus „der Gesalbte".

Als Myrrhentinktur hat diese einst kultische Pflanze noch heute pharmazeutische Bedeutung, zum Beispiel bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Einige Mundwässer und Zahnpasten enthalten deshalb Myrrhenextrakt. Er hat eine blutstillende Wirkung, heilt Bronchitis und auch Darmentzündungen, die durch Bakterien, Pilze oder Würmer entstanden sind. Der Rauch des verbrannten Myrrhenharzes wirkt konservierend und desinfizierend.

Aurum comp. Globuli
Gold,Weihrauch und Myrrhe in Globuli
Soweit die klassischen und einige alternative Interpretationen der drei Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und zu welchem Ergebnis würde ein weiser Gelehrter kommen, der Gold, Weihrauch und Myrrhe aus der Sicht der Homöopathen untersucht, gleichsam durch die Brille des ehrwürdigen Samuel Hahnemann?

In der Homöopathie hat Gold eine breite Verwendung. Als „Aurum metallicum" setzt man es unter anderem bei Herzproblemen, Durchblutungsstörungen (Arteriosklerose) und gegen Depressionen ein. Weihrauch und Myrrhe gibt es zwar als Einzelmittel in Form von Globuli. Sie finden nur sehr selten Verwendung. Die Kombination aller drei Mittel, Gold, Weihrauch und Myrrhe allerdings stellen zwei spezialisierte Firmen unter den Namen „Aurum comp." und „Myrrha comp." her. Diese Zusammensetzung eignet sich zur Behandlung von Stressfolgen mit Herzproblemen und war ursprünglich zur Therapie von Kindern mit körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen erforscht worden, denn Homöopathen arbeiten gern mit symbolischer Gedankenverknüpfung.

Flucht der Heiligen Familie
Die Heilige Familie flieht nach Ägypten
Ob die drei Weisen aus dem Morgenland bereits voraussahen von welchen seelischen Problemen, Zweifeln und visionären Begabungen das Leben des heranwachsenden Jesus geprägt sein würde? Schon kurz nach der Geburt des Kindes, so erzählt das Weihnachtsevangelium, muss die heilige Familie vor Herodes nach Ägypten fliehen, und die unkonventionelle Geschichte des Jesus von Nazareth nimmt ihren Lauf. Die Geschenke, Gold, Weihrauch und Myrrhe lassen eine dramatische Entwicklung erahnen.